Bürgertest
Einbürgerung Kanton Bern: Voraussetzungen, Test und Ablauf
Für die Einbürgerung im Kanton Bern brauchen Sie die Niederlassungsbewilligung C, zehn Jahre Aufenthalt in der Schweiz und je zwei ununterbrochene Jahre im Kanton und in der Gemeinde. In der Amtssprache Ihres Verwaltungskreises müssen Sie B1 mündlich und A2 schriftlich nachweisen, und den schriftlichen Einbürgerungstest müssen Sie schon vor dem Gesuch bestehen, ausser Sie sind befreit. Das Gesuch reichen Sie bei Ihrer Gemeinde ein. Sozialhilfe darf zehn Jahre zurück nicht bezogen sein, oder sie ist vollständig zurückbezahlt.
Dieser Beitrag stützt sich auf die Seiten der Sicherheitsdirektion, das Bürgerrechtsgesetz und die Bürgerrechtsverordnung, beide im Stand vom 1. September 2026, und auf die Wegleitung für die Gemeinden vom 27. März 2026. Gelesen haben wir alles am 30. Oktober 2026. Die Regeln können sich ändern, und jede Gemeinde kann per Reglement mehr verlangen. Verbindlich sind immer die Auskünfte Ihrer Gemeinde und des Kantons.
Einbürgerung Kanton Bern: die Voraussetzungen
Die zehn Jahre und die C-Bewilligung verlangt der Bund. Mindestens drei der zehn Jahre müssen in den fünf Jahren vor dem Gesuch liegen. Bern setzt eigene Punkte darauf und ist teils strenger: Bei der Sozialhilfe schaut der Kanton zehn statt drei Jahre zurück. Die Gemeinden dürfen die Aufenthaltsfristen nicht ändern, weitere Voraussetzungen im Reglement aber schon.
| Punkt | Regel in Bern |
|---|---|
| Aufenthalt | 2 Jahre ununterbrochen im Kanton und in der Gemeinde |
| Sprache | B1 mündlich, A2 schriftlich, in der Amtssprache des Verwaltungskreises |
| Test | Bestanden vor dem Gesuch |
| Sozialhilfe | 10 Jahre keine, ausser vollständig zurückbezahlt |
| Finanzen | 5 Jahre keine offenen Betreibungen oder Verlustscheine. Offene Steuerschulden nur mit eingehaltener Abzahlungsvereinbarung |
| Strafregister | Einträge stehen der Einbürgerung nach den Vorgaben des Bundes entgegen |
Die Kantonsverfassung hält ausserdem fest: Es besteht kein Anspruch auf Einbürgerung. Bei der Integration haben die Behörden laut Wegleitung einen erheblichen Ermessensspielraum. Die Abklärungen der Gemeinde sollen sich auf die letzten fünf Jahre vor dem Gesuch konzentrieren.
Deutsch oder Französisch: was der Verwaltungskreis bedeutet
Der Kanton Bern hat zwei Amtssprachen, und Ihre Wohngemeinde bestimmt, welche für Sie gilt. Das ist die wichtigste Berner Besonderheit, denn sie entscheidet über drei Dinge: die Sprache des Nachweises, die Sprache des Einbürgerungstests und die Sprache des Verfahrens.
| Wohnort | Massgebende Sprache |
|---|---|
| Alle übrigen Verwaltungskreise, etwa Bern-Mittelland, Emmental, Oberaargau, Seeland oder Thun | Grundsätzlich Deutsch |
| Berner Jura | Grundsätzlich Französisch |
| Biel/Bienne und Evilard/Leubringen | Sprachnachweise auf Deutsch und auf Französisch müssen akzeptiert werden |
Was heisst das für Sie? Wenn Sie zum Beispiel in Thun wohnen und Französisch Ihre Muttersprache ist, befreit Sie das nicht automatisch vom Sprachnachweis: Die Ausnahme gilt nur für die Sprache des Verwaltungskreises. Dasselbe gilt für fünf Jahre Schule oder einen Abschluss in der anderen Sprache. Jede Gemeinde kann aber in ihrem Reglement auch die andere Amtssprache zulassen. Fragen Sie deshalb früh nach, bevor Sie für ein Zertifikat oder den Test bezahlen.
Wer umzieht, sollte das mitdenken: Ändert sich der Verwaltungskreis, kann sich auch die massgebende Sprache ändern. Und verlegen Sie Ihren Aufenthalt in eine andere Gemeinde, bevor das Gemeindebürgerrecht zugesichert ist, wird das Gesuch gegenstandslos. Französische Fassungen der kantonalen Seiten finden Sie unter Test de naturalisation.
Der Einbürgerungstest im Kanton Bern
Laut Verordnung (Art. 7) ist der Test schriftlich, dauert 90 Minuten und ist bestanden, wenn mindestens 60 Prozent der Fragen stimmen. Geprüft werden Geografie, Geschichte, Sprachen, Religionen und Feiertage der Schweiz und des Kantons, dazu Politik, Rechte und Pflichten, soziale Sicherheit, Gesundheit, Arbeit und Bildung. Der Test richtet sich an Personen mit Sprachniveau A2.
Befreit sind Kinder unter 16 beim Gesuch, wer mindestens fünf Jahre die obligatorische Schule nach schweizerischem Lehrplan besucht hat, und wer eine Ausbildung auf Sekundarstufe II nach schweizerischem Lehrplan oder auf Tertiärstufe in der Schweiz abgeschlossen hat.
Wichtig für die Planung:
Wo. Die Gemeinden sorgen dafür, dass mindestens dreimal im Jahr getestet wird. Sie müssen den Test dort machen, wo Ihre Einbürgerungsgemeinde ihn organisiert, nicht an einer Schule Ihrer Wahl. Ausnahme: Sie haben die Bestätigung schon aus einem früheren Gesuch bei einer Berner Gemeinde oder Schule.
Wie oft. Der Test kann unbeschränkt wiederholt werden. Die Bestätigung ist unbefristet gültig, bewahren Sie sie also gut auf.
Was er nicht ersetzt. Ein bestandener Test befreit die Gemeinde nicht davon, zu prüfen, ob Sie mit den schweizerischen und den örtlichen Verhältnissen vertraut sind. Das geschieht im Gespräch.
Einen Fragenkatalog publiziert der Kanton nicht. Er verlinkt aber frühere Tests beim Bildungszentrum Interlaken, auf Deutsch und auf Französisch. Das sind abgelaufene Serien. Ein Kurs ist freiwillig. Mehr zu Fragen und Übungsmaterial steht unter Einbürgerungstest Schweiz: Fragen und Antworten.
Der Ablauf, und wer entscheidet
Merken Sie sich die Reihenfolge: In Bern kommen Test und Sprachnachweis vor dem Gesuch.
| Schritt | Wer |
|---|---|
| 1. Beratung, Formulare abholen | Gemeinde |
| 2. Sprachnachweis und Test | Sie |
| 3. Dokumente sammeln, Gesuch einreichen | Sie, Gemeinde |
| 4. Prüfung und Einbürgerungsgespräch | Gemeinde |
| 5. Zusicherung des Gemeindebürgerrechts | Gemeinderat |
| 6. Prüfung, Bewilligung des Bundes | Kanton, SEM |
| 7. Kantonsbürgerrecht und damit Schweizer Bürgerrecht | Sicherheitsdirektion |
Das Gespräch findet in den Amtsräumen statt, jede Person wird persönlich befragt, und es wird protokolliert. Das Gemeindebürgerrecht sichert immer der ganze Gemeinderat zu, keine Versammlung. Ihr Verfahren läuft erst weiter, wenn die Gebühren von Kanton und Gemeinde bezahlt sind.
Eine Gesamtdauer nennt der Kanton nicht. Die Verordnung setzt der Gemeinde und danach dem Kanton je eine Frist von in der Regel zwölf Monaten. Die Zeit beim Bund zählt dabei nicht mit. Am Schluss teilt Ihnen die Gemeinde den Entscheid mit, und Sie können Pass und Identitätskarte beantragen.
Einbürgerung Kanton Bern: Dokumente und Formulare
Das Gesuchsformular ist amtlich. Auf den kantonalen Seiten haben wir es nicht gefunden: Sie erhalten es von Ihrer Gemeinde. Die Verordnung (Art. 16) verlangt unter anderem diese Beilagen:
| Bereich | Beilagen |
|---|---|
| Person | Personenstand vom Zivilstandsamt, Kopie von C-Ausweis und Pass oder ID |
| Aufenthalt | Wohnsitznachweise für die massgebende Zeit |
| Register | Strafregisterauszug, Betreibungsauszüge aller Wohnorte der letzten 5 Jahre |
| Finanzen | Steuerbestätigung, Arbeits- oder Ausbildungsbestätigung, Nachweis zur Sozialhilfe für 10 Jahre |
| Integration | Testbestätigung, Sprachnachweis, unterzeichnete Erklärung |
Die Gemeinde kann weitere Unterlagen verlangen. Betreibungsauszüge brauchen Verheiratete und Personen in eingetragener Partnerschaft auch von der Partnerin oder dem Partner.
Kosten: Gebühren und Test
Der Kanton stellt die Beträge auf seine Gebührenseite. So standen sie dort am 30. Oktober 2026:
| Gesuch | Kanton | Bund |
|---|---|---|
| Einzelperson | CHF 1150 | CHF 100 |
| Ehepaar oder Partnerschaft | CHF 1725 | CHF 150 (Ehepaar) |
| Minderjährig, ohne Eltern | CHF 575 | CHF 50 |
Die Kantonsgebühr fällt auch an, wenn das Gesuch abgewiesen wird. Einbezogene Kinder sind kostenlos. Dazu kommt die Gebühr Ihrer Gemeinde, die von Ort zu Ort stark variieren kann. Den Test bezahlen Sie selbst: Laut Wegleitung soll er zwischen CHF 260 und CHF 390 kosten. Auch Kurs und Sprachzertifikat gehen zu Ihren Lasten.
Wo Bürgertest hilft
Weil Bern keine Fragenliste publiziert, lernen Sie mit den genannten Hilfsmitteln und den früheren Tests. Das kann Bürgertest ergänzen, unsere App für iPhone und iPad (im App Store Bürgertest – Einbürgerungstest): 256 Fragen zur Schweiz und 30 zum Kanton Bern, mit Quelle und Erklärung. Es sind unsere eigenen Fragen, keine offiziellen. Drei Beispiele aus der App:
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Welche zwei Amtssprachen kennt der Kanton Bern? | Deutsch und Französisch |
| In wie viele Verwaltungskreise ist der Kanton Bern gegliedert? | 10 |
| Welcher Landesteil hat in der Berner Kantonsregierung einen garantierten Sitz? | Der Berner Jura |
Die Fragen gibt es auch auf Französisch, und die App lässt sich auf Französisch stellen. Sie übt ausserdem das Einbürgerungsgespräch und die Sprache, mit Aufgaben im Stil des fide-Tests: inoffiziell und ohne Ersatz für den echten Test. Gesprochen wird synthetisch, per Text-to-Speech. Die örtlichen Fragen Ihrer Gemeinde kennt die App nicht. KK Studio ist ein privates Studio ohne Verbindung zu den Behörden.
Ohne zu bezahlen bekommen Sie die Angaben zu jedem Kanton, die Anleitung zum Gesuch, sämtliche Gesprächsfragen, drei Lektionen, einen Probetest und pro Tag 20 Übungsfragen. Für den Rest gibt es ein Abo oder eine Einmalzahlung. Ein Bestehen verspricht die App nicht, und massgebend bleiben Ihre Gemeinde und der Kanton.